Cyclocross oder doch Gravel

Wer träumt nicht davon, wie die Fahrer der Tour de France dahinzugleiten, aber gleichzeitig auf schlechten Pisten und Radwegen sicher unterwegs zu sein? Das ist die Idee des Gravelbikes, es ist das universelle Breitreifenrennrad.

Und dann gibt es auch noch Cyclocrosser, auch Querfeldein-Rennräder genannt. Gravelbike und Crosser sehen zwar ähnlich aus, versprechen ähnliches und beide machen viel Spaß. Dennoch gibt es feine, aber entscheidende Unterschiede. Wir zeigen Euch diese auf und geben Entscheidungshilfen bei der Wahl des richtigen Trainingspartners.

Cyclocross Gravelbike Unterschied

Beide Radgattungen sind etabliert, das Geländerennrad und das Breitreifenrennrad. Viel länger schon als man annehmen würde.

Zwei Faktoren beschleunigen jedoch die aktuelle Entwicklung.

Erstens die Scheibenbremse: Ihre Vorteile sind die wetterunabhängig gute Funktion und, bei hydraulischen Systemen, die geringen Handkräfte bei ideal dosierbarer Bremskraft.

Zweitens etabliert sich der Tubeless-Reifen, der statt eines Schlauchs einen Schluck Dichtmilch enthält. Die Milch schützt einerseits auch bei geringem Luftdruck vor Pannen und andererseits reduziert sie den Rollwiderstand, den die Reibung des Schlauchs im Reifen verursacht, um ein deutlich spürbares Maß.

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Für den knackigen Sport: Cyclocrosser

Cyclocross bzw. Querfeldein-Fahren ist eine der Grundfesten des europäischen Radsports und das schon seit mehr als hundert Jahren. Seine traditionelle Saison löst die der Rennräder ab, startet also im Herbst und dauert bis in den Frühling.

Die Räder sind so konzipiert, dass sie es mit Matsch und Hindernissen aufnehmen können. Die Sitzposition ist ähnlich sportlich-aggressiv wie am Rennrad. Steuer- und Sitzrohr haben aber einen steileren Winkel und auch das Tretlager ist höher als bei einem Straßenflitzer. So geraten die Pedale nicht so schnell in Bodenkontakt.

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Zudem verfügen Cyclocrosser über einen größeren Reifendurchlass, damit Matsch und Schlamm nicht stecken bleiben. Hintergrund des Cyclcrossens ist der sportliche Wettkampf. Die Rennen sind kurz, schnell und anspruchsvoll. Sie werden auf zuschauerfreundlichen Rundkursen ausgetragen. Die Beschaffenheit des Kurses richtet sich dabei nach den natürlichen Bedingungen der Umgebung.

Dabei kann es schon einmal matschig oder sandig werden. Während eines Rennens müssen die Fahrer je nach Beschaffenheit auf- und abspringen, wenn Treppen, steile Anstiege oder ca. 40 Zentimeter hohe Hürden zu bewältigen sind. Auch auf solche Anforderungen müssen die Räder ausgelegt sein. Die Reifenbreite für Cross-Rennen ist durch den Internationalen Radsportverband UCI genau definiert: Maximal 33 Millimeter breit dürfen sie sein.

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Einfach-Schaltung rollt an

Hydraulische Scheibenbremsen gehören mittlerweile zum Standard an Cyclocrossern. Speziell dank ihrer guten Dosierbarkeit bei feuchten und nassen Bedingungen sind sie die beste Wahl. Einfach-Schaltungen sind zusehends etabliert.

Ihr Vorteil: Durch das Wegfallen des Umwerfers bleibt weniger Dreck und Schlamm im Antriebsbereich hängen und man spart zusätzliches Gewicht. Lange Anstiege, die ein zusätzliches kleines Kettenblatt erfordern würden, gibt es im Cross-Sport ohnehin selten.

Scheibenbremsen und Einfach-Schaltung bringen definitiv Vorteile mit, die der Fahrer direkt spüren kann. Aber der Zweifach-Antrieb hat weiterhin seine Daseinsberechtigung, gerade für Fahrer, die ihren Crosser auch auf der Straße nutzen. Ein vielseitiger Einsatzbereich sowie feinere Gangabstufungen sind Argumente, die für eine Zweifach-Schaltung sprechen.

Überall-Renner: Gravel Bikes

Das Prinzip des Gravel Racers ist ebenfalls schon sehr alt, der Name ist aber relativ neu. Gravel ist das englische Wort für Schotter. Schon frühe Rennräder hatten breite Reifen und waren für losen Untergrund geeignet – kein Wunder, gab es doch noch kein glattes Asphaltnetz. Wenn man nun breite Reifen mit guten Bremsen sowie modernen, leichten Rahmen und Komponenten verbindet, erhält man das neue Vielzweckrennrad.

Cyclocross Gravelbike Unterschied

Mit den Cyclocrossern gemein haben Gravel-Renner die sportlichen Gene. Sie sind reinrassige Ganzjahres-Rennräder mit einer sportlichen oder langstreckentauglichen Sitzposition und tiefen Tretlagern. Auf der Straße überzeugen sie dank eines geringen Rollwiderstands der breiteren Reifen. Allerdings sind sie durch deren größere Stirnfläche bei hohen Geschwindigkeiten aerodynamisch im Nachteil gegenüber reinen Straßenrennrädern.

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Crossover – bis zum Reiserad

Der wichtigste Effekt der Neuerungen ist das Aufweichen der über Jahrzehnte festgeschrieben Radgattungen – und der Nutzen, den alle Radfahrer davon haben. Wer z. B. seinen Crosser zusätzlich im Sommer nutzen möchte, der kann auch herkömmliche Rennradreifen aufziehen. Felt bringt mit der „VR“-Serie (ab 999 Euro) Komfortrennräder auf den Markt, mit denen dank 30 Millimeter Reifenbreite auch einmal Schotter- und Feldwege befahren werden können.

Cyclocross Gravelbike Unterschied

„Der Rennradgedanke steht dabei aber im Vordergrund. Es ist aus unserer Sicht kein Gravel-Racer“, stellt Martin Ohliger von Felt klar. Die Vielfalt der Griffpositionen am Rennradbügel schätzen andererseits immer häufiger Alltagsvielfahrer oder Radreisende.

In diesem Zusammenhang kommen sogenannte Endurance-Renner ins Spiel, die auch Scheibenbremsen und etwas breitere Reifen haben als Rennräder, bei denen aber der Sitzkomfort im Mittelpunkt steht. Die Position ist also gemäßigter als bei Renner, Gravelbike oder Crosser: Ihre Lenker sind höher, etwas näher am Sattel und haben mitunter eine ergonomischere Form.

Viele Hersteller verbauen an ihren neuen Rennlenker-Rädern Aufnahmen für Gepäckträger, Schutzbleche und feste Beleuchtung, was ihre Tourentauglichkeit unterstreicht. Das Angebot an diesen Rädern ist derzeit fast unüberschaubar vielfältig.

Cyclocross Gravelbike Unterschied

Fachmeinungen

Laut den Testern der Rennradzeitschrift RoadBike werden Cyclocross-Räder in Zukunft deutlich sportlicher, die Unterschiede zu Gravel Racern stärker spürbar. Dies sei „ein wichtiger Schritt“, um die beiden Radtypen in Zukunft zu unterscheiden, was allerdings wiederum für eine stärkere Segmentierung spräche.

Die Redakteure des Fachmagazins Trekkingbike schreiben hingegen, dass nicht jeder Hersteller den Trend zum Gravel Bike mitgehen wird und sich weiterhin auf die klassische Unterscheidung konzentriere. Die Beispiele zeigen: Die unterschiedlichen Begrifflichkeiten sind in der Radszene umstritten, nicht jeder Hersteller geht den neuen „Trend“ mit.

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