Fahrrad Unfall was tun

Fahrradunfall – Was tun, wenn’s knallt?

Fast 80.000 Fahrradunfälle ereigneten sich 2016, mehr als 14.500 Radfahrer wurden dabei schwer verletzt. 80 Prozent dieser Unfälle waren Kollisionen zwischen Auto und Fahrrad. Daher habe ich Verkehrsrechtlerin Dr. Anja Matthies von der Radler-Rechtsberatung Bikeright gefragt, wie man sich am besten schützen kann. 

Wie können Radfahrer versuchen, Unfälle grundsätzlich zu vermeiden?

Dr. Anja Matthies: „Generell natürlich, indem sie die Verkehrsregeln beachten! Viele der Regelungen wurden tatsächlich gemacht, um unsere Sicherheit zu erhöhen. Etwa, in richtiger Fahrtrichtung unterwegs zu sein, das Fahrrad ausreichend zu beleuchten, nicht auf dem Fußweg zu fahren oder bei Rot an Ampeln zu halten.“

Was sind die häufigsten drei Unfallszenarien und was hilft dagegen?

„Der Klassiker: Ein Pkw fährt unachtsam aus einem Grundstück oder einer Einmündung und übersieht den Radfahrer. Dem beugt man am besten vor, indem man auf der Fahrbahn fährt. Natürlich nur, wenn es erlaubt ist. Grundsätzlich gibt es nämlich keine Radwegebenutzungspflicht in Deutschland.

Radwege muss man nur dann benutzen, wenn dies ausdrücklich durch Verkehrszeichen vorgeschrieben ist (weißes Rad auf blauem Kreis).

Die zweithäufigste Unfallkonstellation ist die Kollision zwischen geradeaus fahrendem Radler und meist rechts-abbiegendem Auto. Fast immer hat der Autofahrer Schuld, weil er den Schulterblick vergisst oder zu schnell fährt. Auch hier hilft: Rauf auf die Fahrbahn! Dann wird man einfach besser gesehen. Auf dem Radweg sollte man am besten bremsen und Blickkontakt suchen.

Drittens ist das „Dooring“ zu nennen: sich plötzlich öffnende Autotüren. In Zeiten getönter Autoscheiben ist es sehr schwer, diesen Unfällen vorzubeugen. Man kann kaum erkennen, ob jemand aussteigen will. Ein Indiz sind sich öffnende Beifahrertüren. Sonst hilft nur ausreichender Abstand zu parkenden Autos, mindestens ein Meter. Das kann dazu führen, dass man mit zu geringem Abstand überholt wird. Die Gefahr durch die Türen halte ich aber für größer.“

Was muss ich tun, wenn es doch zu einem Unfall gekommen ist?

„Immer die Polizei rufen. Viele Radunfälle werden offiziell gar nicht registriert. Oft stehen Radfahrer schnell wieder auf und denken im ersten Moment, alles sei in Ordnung. Es werden keine Beweise gesichert oder Personalien von Zeugen aufgenommen. Später erst tut was weh, entdeckt man Hautabschürfungen oder stellen sich Kopfschmerzen ein.

Was viele nicht wissen: Selbst wenn man als Radfahrer den Unfall mit verursacht hat, hat man gegenüber beteiligten Autofahrern in der Regel Anspruch auf Schmerzensgeld.“

Wie verhalte ich mich richtig nach dem Unfall?

„Auch Fahrradfahrer sind zur Absicherung der Unfallstelle verpflichtet und müssen etwaigen Verletzten helfen. ‚Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort‘ und ‚Unterlassene Hilfeleistung‘ sind strafbare Delikte.

Ganz wichtig: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold! Jede unüberlegte Aussage gegenüber potenziellen Zeugen oder der Polizei kann in einem etwaigen Verfahren gegen den Radfahrer verwendet werden. Wenn möglich, sollten Fotos vom Unfallort gemacht werden.

Bei körperlichen Verletzungen muss in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Nur so kann man sicherstellen, dass etwaige Ansprüche in einem späteren Verfahren auch Bestand haben.“

2 Kommentare

  • Pingback: Wie verhalte ich mich als Radler richtig, wenn an der Bushaltestelle Leute den Radweg queren? – Asr

  • Dr. Andreas Kober

    Eine häufige Unfallursache ist das Überholen mit teilweise bewußt zu geringem Seitenabstand (unter 1,50 m). Mit oder ohne Berührung kann es hierbei zu schweren bist schwersten Verletzungsfolgen kommen. Ist hieraus ein Unfall entstanden, so macht sich zur Überwachung und ggf. Behandlung einer zweitzeitigen Leber-/Milzruptur bzw. einer ICB oder einer ACG – Sprengung sowie zur Dokumentation ein stationärer KH – Aufenthalt erforderlich.
    Selbstverständlich ist eine Anzeige nach § 224 I StGB erforderlich. ( Die Chancen , über § 211 als Versuch mit einer actio libera in causa zu kommen , dürften fast Null sein.) Der obj. Tb. (Waffe oder gefährliches Werkzeug), der subj. TB (dolus directus 1. Grades), die Rechtswidrigkeit als auch die Schuld dürften unbestritten sein.
    Zur Beweissicherung empfehle ich den Einsatz einer Cycliqu Fly 6. Dem stehen auch nach neuer Rspr. keine BEV oder BVV entgegen. Da relativ viele Verfahren eingestellt werden, ist der Verfahrensweg über ein Straferwingungsverfahren zu überlegen. Dieses erfordert jedoch (Anwaltszwang, Fristen!) einen außerordentlich versierten Anwalt, der in diesem Zusammenhang gleich ein Adhäsivverfahren nach 403 StPO prüfen kann.
    Nach bisher 25 Jahren als ambitionierter Rennradsportler mit ca 6500 – 8000 km Jahresleistung und 4 nichtverschuldeten Unfällen mit Körperverletzung kann ich sagen, dass im ländlichen Raum deutlich entspannter gefahren wird. Es ist ebenso ein auffälliges Nord – Süd – Gefälle zu verzeichnen, in Bayern wird sehr auf die Sicherheit der Radler geachtet. Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, sollte Radsportländer wie Österreich, Italien , Schweden oder Norwegen sowohl zum Wettkampf als auch für eine längere Trainigszeit bevorzugen.

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