Mentaltraining im Radsport – Bergab mit mehr Selbstbewusstsein

Auch, wenn es mancher nicht gern zugibt, so umtreibt den ein oder anderen unter uns die Angst vor Bergabfahrten, die bei einigen bis zum totalen Ausfall führen. Das dies nur allzu menschlich ist, sollte jedem von uns klar sein. Um dieses Thema einmal näher beleuchten zu können, bin ich froh, das ich Eva Helms kennenlernen durfte, die als ausgebildeter Sport Mental Coach gern Ihr Wissen zu diesem Thema mit uns teilt. Lassen wir Sie dann doch gern zu Wort kommen.

Mentaltraining im Radsport: Für mehr Selbstbewusstsein beim Bergabfahren

Eine kleine enge Straße windet sich in unübersichtlichen Kurven den Berg hinunter, landschaftlich ein Traum……für so manchen Rennradbegeisterten eher ein schlechter Traum. Sofort setzt ein wildes Kopfkino ein, die Muskulatur verkrampft, der Atem geht flach, das Herz klopft und im Bauch breitet sich ein tiefes Unwohlsein aus.
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Angstgefühle sind mächtig:

Sie blockieren nicht nur die Freude am Fahren, sondern auch massiv das Leistungsvermögen. Stöbert man in Rennrad-Foren, entdeckt man schnell, dass man damit gar nicht so alleine ist: sehr viele Rennradfahrer und -innen spüren beim Bergabfahren Angst bis hin zu totalen Blockaden. Die Gründe hierfür reichen von einer allgemeinen Unsicherheit beim Fahren bis hin zu Nachwirkungen eines schweren Unfalls. Der gut gemeinte Rat „schalt einfach den Kopf aus und lass rollen!“ verhallt wirkungslos. Wie sollte das auch die Angst vertreiben? Viel mehr Erfolg verspricht der Weg über das Verständnis der Vorgänge im Gehirn. Daraus ergeben sich leicht trainierbare Methoden für selbstbewussteres Bergabfahren mit dem Rennrad – zu erleben und erfahren in einem besonderen Sportmentalcoaching-Seminar, welches Fahrtechnik und Mentaltraining verbindet.

Was passiert bei Angst in meinem Kopf?

Die körperlichen Merkmale der Angst sind eine erste reflexhafte Reaktion auf eine Situation, welche das Gehirn als unbekannt und potenziell bedrohlich eingestuft hat. Der Körper wird blitzschnell darauf vorbereitet, zu kämpfen….oder zu fliehen. Dieses stammesgeschichtliche Überbleibsel kann man leider nicht bewusst steuern.
Danach wird es aber interessant: zur Überprüfung der Gefahrenlage wird in einem zweiten Mechanismus im Hippocampus (= Gedächtnisspeicher) nach Erinnerungen und Information gesucht und -falls nötig- die körperliche Reaktion angepasst. Dazu ein schönes Beispiel aus dem Alltag, das jeder kennt: erst das Erschrecken vor einem Schatten an der Wand, dann gleich darauf das erleichterte Lachen, die Angst wie weggeblasen. Es war ja nur ein sich blähender Vorhang im Wind.Hier ist die Suche nach gespeicherten Erfahrungen im Hippocampus also erfolgreich verlaufen und die Schreckreaktion wird sofort zurückgefahren.

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Und beim Bergabfahren?

Wer schlechte Erfahrungen gemacht hat, schon mal gerutscht oder gestürzt ist, hat keine guten Informationen abgespeichert und wird sich auf dem Rad furchtsam und verkrampft fühlen. Eine solche Reaktion kann sogar dann entstehen, wenn man nur Zeuge eines schlimmen Radunfalls war, denn das Gehirn unterscheidet nicht zwischen Vorstellung und Realität.

Mit Mentaltraining raus aus der Angst

Genau an dieser Stelle setzt das Mentaltraining für die Teilnehmer meiner Seminare „stressfrei bergab!“ an: die alten, unguten Erfahrungen werden überschrieben mit neuen und gelingenden Erfahrungen. Dabei gehen wir in der sportlichen Anforderung soweit zurück, bis sich die Teilnehmer wirklich sicher fühlen. Nur so können im Gehirn neue Synapsenverbindungen entstehen. Stabilität erhalten diese durch Dopamin und das gute Gefühl von „ich kann das!“. Und weil es Mental-Training heißt, muss im Anschluss natürlich auch viel trainiert werden. Der Lohn: mehr Selbstvertrauen und Gelassenheit auf dem Rad.

Eine Anmerkung ist eigener Sache: die Seminare sind kein Aufruf, sich von nun an unbesonnen den Berg hinunter zu stürzen, sondern im Rahmen seines individuellen technischen Vermögens und Trainingszustandes Abfahrten entspannter angehen zu können und sich sicherer zu fühlen.

sport mental coach eva helms

Aller Anfang ist leicht
Der Einstieg ist sehr einfach, er lautet ganz schlicht ATME! Wer sich bewusst macht, dass er unter Stress nur sehr flach atmet, kann mit gezieltem tiefem Durchatmen lernen, auch in schwierigen Situationen (nicht nur im Sport, sondern auch im Alltag!), ruhig zu bleiben und sich auf das zu konzentrieren, was als Nächstes zu tun ist.

Königliche Abfahrt
Gedanken machen Gefühle und Gefühle lösen bestimmte Körperhaltungen aus.Jeder wird bestätigen, dass er die Schultern hochzieht, wenn er gestresst ist, z.B. im Stop and Go bei Hitze auf der Autobahn. Umgekehrt kann man mit seiner Körperhaltung aber auch seine Gedanken beeinflussen, indem man sich so hält, wie man gerne den Berg runter fahren würde: königlich! Schultern und Nacken locker, Körpermitte stabil und ruhig….so rollt es sich wesentlich entspannter.

Blickrichtung
Eine weitere Folge von Unwohlsein: der Blick geht automatisch dahin, wo die vermeintliche Gefahr lauert, also links die Böschung hinunter, rechts auf den Rollsplitt. Das Rad folgt wie beim Skifahren dem Blick und droht dann tatsächlich, instabil zu werden. Schaut der Fahrer jedoch in die Richtung, in die es gehen soll – zunächst zur Kurvenmitte, dann zum Kurvenausgang – kommt er entspannter um die Kurve.

Think pink!
Wen beim Bergabfahren pausenlos Gedanken wie: „bloß nicht stürzen“, „jetzt hier in der Kurve nicht ins Rutschen kommen“, „ich muss aufpassen, dass ich nicht zu schnell werde“…? begleiten, läuft Gefahr, dass genau das passiert, was man gerade vermeiden wollte. Warum ist das so? Wenn ich meine Seminarteilnehmer bitte, NICHT an einen rosa Elefanten zu denken, passiert Folgendes: das Gehirn sucht zunächst nach Bildern, Gedanken, Erinnerungen zum Thema rosa Elefant – und schon denken sie an ihn. Erst in einem zweiten Schritt erfolgt dann die Verneinung. Viel zu viel Arbeit für das Gehirn, das ja bereits massiv unter Abfahrtstress steht. „Jetzt NICHT verkrampfen“ wird also kaum gelingen…

Mit Köpfchen Radfahren
Es gilt also, gehirnfreundlich unterwegs zu sein, um sich von Stress und Angst zu befreien. Klare und kurze Handlungsanweisungen an sich selbst ersetzen die negativ kreiselnden Gedanken: z.B. „ruhig jetzt“, „Blick voraus“, „Schultern locker“ und „Innenpedal hoch“. Das funktioniert in den meisten sportlichen Herausforderungen hervorragend!

In der Gruppe lernen
Die Theorie ist die eine Seite, viel wichtiger ist jedoch das erfolgreiche Tun.
Nach einer Fahrtechnikeinführung erwartet die Teilnehmer auch eine gemeinsame Ausfahrt. Natürlich mit Kurven und bergab! In einer Gruppe Gleichgesinnter unterwegs zu sein, motiviert und steigert das Sicherheitsgefühl.

Keine Zauberei
Mentaltraining ist kein sofort wirkendes Wunder!
Es braucht schon einigen Fleiss und Durchhaltewillen, um wirklich etwas zu verändern. Schöner Nebeneffekt: diese Methoden finden natürlich auch in jeder anderen herausfordernden Situation im Alltag Anwendung.

Die Rückenwind Seminare „stressfrei bergab!“ finden einmal monatlich in Heidelberg statt, dauern ca. 3,5 Stunden und kosten 79 Euro pro Person. Auch Einzeltermine sind möglich. Seid ihr eine Gruppe von mind. 6 Teilnehmern und verfügt über eine geeignete Trainingsstrecke, setzt sich das Rückenwind Mobil natürlich gerne auch in Bewegung!

Mehr Information und Anmeldung:
evahelms@sportmentalcoaching-rueckenwind.de
mobil: 0049 – 157 501 06 437
Rückenwind – mentale Stärke im Triathlon
www.sportmentalcoaching-rueckenwind.de oder https://www.facebook.com/evahelmsheidelberg/

2 Comments on “Mentaltraining im Radsport – Bergab mit mehr Selbstbewusstsein”

  1. Bergabfahren ist gar nicht so schwer und erlernbar. Hier wurden schon gute Tipps gegeben und ich denke mit einem guten Seminar ist es auch erlernbar ohne Angst das ganze anzugehen.
    Mit Eva Helms als Schulungsleiterin kann das jeder erlernen und die Angst verschwindet mit der Zeit.
    Allerdings den „Respekt“ vor Abfahrten sollte man schon noch haben, denn Respekt ist keine Angst.

    1. Hallo Horst, dem stimme ich zu 100% zu – meine Seminare sind KEIN Plädoyer für wildes Bergabrasen, sondern vielmehr eine Schulung in richtiger Kurven – und Bremstechnik verknüpft mit mentalen Strategien zur Bekämpfung der Angst und des Unwohlseins! Diese beiden sind keine guten Begleiter beim Radfahren….lieben Dank für die Weiterempfehlung!

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