Wie nachhaltig sind Rennradrahmen?

Carbon, Aluminium, Stahl und Titan im Vergleich

Arbeitsbedingungen, Ökologie und Nachhaltigkeit.
3 groẞe Themen, die auch in der Produktion und Entsorgung von Fahrradrahmen immer wichtiger werden.

aluminium rennrad

Aluminium: schwierige Abbaubedingungen

Die wirtschaftlich grosstechnische Gewinnung von Aluminium ist nur aus Bauxit möglich, das im Tagebau hauptsächlich in Ländern wie Australien, China, Brasilien, Indonesien und Indien abgebaut wird.

Schadstoffe, die freigesetzt (und in modernen Anlagen gefiltert) werden: Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Fluorwasserstoff.

Je nach Energiequelle werden 3–10 Tonnen CO 2 pro Alu-Tonne ausgestossen! Pro Kilogramm Aluminium wird in etwa der Energiewert von 4–5 Litern Heizöl aufgewendet.

Das sogenannte Sekundäraluminium, also recyceltes Alu, macht nach Angaben der Aluminium-Industrie rund 20–30 Prozent im Alu-Rohrbau aus. Bei der Wiederaufbereitung von Sekundär-Aluminium fallen pro Tonne Aluminium 0,5 Tonnen hochgiftige Salzschlacke an.

Die Arbeitsbedingungen beim Abbau in Ländern wie Brasilien, Indien, Indonesien und China werden grösstenteils als unsozial bis katastrophal bewertet.

carbon rennrad

Carbonfasern: steif und modern

Kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe (CFK) werden immer beliebter als Rahmenmaterial. Carbonrahmen sind sehr fest, steif und leicht, aber auch teuer, schwierig zu verarbeiten und zeigen unkontrollierbares Bruchverhalten (ohne «Vorwarnung»).

Umweltspezifisch bedenklich sind die meist aus Epoxidharzen bestehenden «Stützmaterialien» (Matrix). Sie verhindern, dass Carbonrahmen durch Schreddern «sauber» recycelt werden können. Derzeit wird an einem «Trennungsverfahren» (Harz von Karbon) gearbeitet.

Grösster Produzent von Carbonrahmen ist derzeit China, gefolgt von Taiwan und Vietnam.

Da nahezu alle Carbonrahmen-Produktionsstätten erst im Laufe der letzten 15 Jahre gebaut wurden, sind sie umweltspezifisch zumeist auf einem vergleichsweise hohen technischen Stand.

Die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten bewegen sich auf einem korrekten Niveau – im Vergleich zu anderen Fernost-Produktionsstätten.

stahl rennrad

Stahl: robust und langlebig

Klassischer Werkstoff für Rahmenrohre. Wird üblicherweise als Chrom-Molybdän-Legierung im Rahmenbau verwendet. Kann gelötet, geschweisst, gemufft und geklebt werden.

Grösster Stahlproduzent ist mit einem weltweiten Anteil von 45 Prozent China. Die dortigen Stahlhütten und Abbaumethoden gelten als die grössten Umweltverschmutzer in China respektive in Asien. Auch die Arbeitsbedingungen sind in höchstem Masse unsozial bis menschenunwürdig – zumindest nach «westlichen» Massstäben.

Weitere groẞe Stahlproduzenten: Indien, Russland. Die Herstellung einer Tonne Stahl benötigt etwa 5600 Kilowattstunden Energie. Umgerechnet in Stromverbrauch entspricht das ungefähr der Menge, die ein deutscher Durchschnittshaushalt in eineinhalb Jahren bezieht.

Für die Herstellung einer Tonne Stahl werden rund 6000 Liter Wasser verbraucht. Diese Werte sind auf modernste europäische Werke bezogen und stehen in keinem Vergleich zu chinesischen, indischen und russischen Produktionsstätten.

Stahl gilt jedoch als besonders langlebiger Werkstoff, der mit relativ niedrigem Aufwand relativ sauber recycelt werden kann.

Weitere Vorteile von Stahlrahmen: lange Haltbarkeit, gute Fahreigenschaften durch gute Absorption von Stössen, vergleichbares Gewicht wie Aluminiumrahmen.

Titan: leicht und teuer

Nur halb so schwer wie Stahl, aber ungleich fester wird Titan oft als «Ultrawerkstoff» bezeichnet. Im Fahrradbau wird das teure Metall nach einer Euphorie in den Neunzigerjahren mittlerweile fast nur noch im High-End-Rennbereich genutzt.

Titan-Produktion findet hauptsächlich in China, Russland und Kasachstan statt.

Vor der japanischen Küste wird Titan aus dem Meeresboden gewonnen.

Wie beim Alu gelten auch beim Titan die Abbaumethoden sozial und umweltspezifisch als höchst bedenklich.

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