Race across Germany – Alex siegt und „erfährt“ seine Grenzen

Race across Germany 2017 Sieger Alex
Leserartikel von Alex, dem Sieger im Solo non Support des Race across Germany zu seinen Eindrücken vom Race across Germany. Dickes Danke dafür.

„Grenzen erfahren“ von Aachen nach Görlitz im Rahmen des Race across Germany.

Gekämpft / Geflucht / Gefinished
1.ter Platz – Solo Non Support
Datum: 02.06 – 03.06.17
Fahrzeit inkl. aller Pausen: ca. 39h

Solo und Non Support. Was bedeutet das überhaupt?

Im Grunde bedeutet es soviel wie: Hilf Dir, es selbst zu tun (um es mal mit Maria Montessoris Worten zu zitieren). Deutschland von West nach Ost zu durchfahren, schien mir eine gute Idee zu sein. Zumal ich nach der Nord / Süd Tour im letzten Jahr (Flensburg – Garmisch Partenkirchen; allerdings in der Gruppe) das Gefühl hatte, es fehle noch etwas. Die Strecke von angebenen 760km schien überschaubar und sollte das Ganze abrunden. Ich entschied mich für eine Selbstversorgerfahrt (sich eigenständig um Essen, Trinken, Navigation kümmern, Material und Klamotten sind direkt am Fahrrad; kein Windschatten fahren erlaubt) um weitere Erfahrungen zum Thema Randonneur in (Langstrecken fahren, ohne Hilfe) zu sammeln.

Race Across Germany 2017
Kurz vor dem Start am Ortsausgang von Aachen
Am Vorabend (Donnerstag), um 19 Uhr wurden alle Fahrer des Race across Germany Veranstalters und der Stadträtin im Rathaus von Aachen empfangen. Nach kurzer Aachener Geschichtsstunde, dem Briefing und gemeinsamem Abendessen wartete endlich ein Bett auf mich.
Race Across Germany 2017 Strecke
Race Across Germany 2017 Strecke
Freitag ging es dann für mich um Punkt 8 Uhr auf die Strecke. Zuerst starteten die Solo Non Support Fahrer, dann die Solo Support Fahrer, dann das 2er, 4er und 8er Team (jeweils ein Fahrer vom jeweiligen Team auf der Strecke) und zum Schluß die Gruppe (mit Support, d.h. Begleitservice). Ich wurde als Erstes auf die Strecke geschickt. Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz standen auf dem Plan. Es gab eine festgelegte Strecke, die jeder Teilnehmer zu fahren hatte. Dann ging es im 2 Minuten Takt weiter. Nach 25km wurde ich vom ersten Solo Support Fahrer geschluckt und kurze Zeit später vom Zweiten. Da wollte ich erstmal ein bisschen dran bleiben, was natürlich taktisch totaler Unfug war. Mit einem 15-17 kg Rad die Hügel hochzufahren, ist eine andere Nummer. Ich bin doch keine Maschine. Trotzdem war es gut und sicherer, zu dritt durch Bonn zu geradelt zu sein. Mein Plan sah es vor in Bonn (100km) den ersten Stopp einzulegen. Da es gut lief, fuhr ich erstmal weiter. Nach ca. 150km habe ich dann die erste kurze Pause eingelegt. Da ich bis dato erst 1,5l getrunken hatte, war ich völlig dehydriert. Verdammt. Dazu schwüle Gewitterluft von knapp 30°. Von nun an zwang ich mich, regelmäßiger zu trinken und sobald die Flaschen alle waren, eine kurze Pause einzulegen.
Race Across Germany 2017 Eindruck von der Strecke
Jetzt stand Hessen auf dem Menü, ich kam wieder ganz gut in Tritt. Das permanente Rauf und Runter habe ich allerdings unterschätzt. Nach ca. 250km überholte mich die Gruppe mit ihrem Teamwagen und der erste Regenschauer mit dazugehörigem Gewitter war im Anmarsch. 20min in der Pampa zu warten schien mir allerdings sinnvoller, als komplett durchnässt weiter zu fahren. Also Regenjacke an und ausharren.
Race Across Germany 2017 Eindruck von der Strecke
Nach 320km war in Bad Hersfeld der erste Kontrollpunkt (Name, Startnummer & Uhrzeit musste ich via SMS durchgegeben). Nun ging es durch die Nacht, Thüringen wollte bezwungen werden. Dieser Freistaat ist wirklich leer, sehr leer. Nix los hier. Tanke? Fehlanzeige. Also weiter Riegel knabbern und von Wasser träumen. So ging es dann die ganze Nacht; mal Regen, mal das Wild mit lautem Rufen vertreiben, Musik hören…
Race Across Germany 2017 Eindruck von der Strecke
Gegen 4 Uhr regnete es etwas stärker, Grund genug eine Bushaltestelle aufzusuchen. Als ich wieder auf die Uhr schaute, war eine Stunde vergangen. Eingeschlafen!?! Lieber dort, als auf dem Rad. Es ging weiter durch die Thüringer Prärie und ich dachte in Mecklenburg-Vorpommern ist nix los. Irgendwann am Morgen habe ich mich nach Sachsen durchgeschlagen und auch die Sonne hat wieder Gas gegeben. Kurz hinter Naumburg habe ich dann einen meiner Kontrahenten überholt, was mir einen Push bis zur Elbe einbrachte (letztendlich haben von 3 Non Supportern, 2 aufgegeben).
Race Across Germany 2017 Zusammenfassung
Es rollte wieder. In Radebeul gab es nochmal einen Starkregen, gewürzt mit Blitzen und Donner. Wieder eine Stunde eingebüßt. Ursprünglich wollte ich zwischen 16 und 18 Uhr im Ziel sein, den Plan musste ich schon am Vorabend verwerfen. Aufgeben stand für mich aber nie zur Debatte und wenn ich noch zwei Tage brauchen würde. Checkpoint zwei und drei wurden kurz vor und nach Dresden abgehakt. Also weiter im Nieselregen Richtung Bautzen. Es wurde wieder dunkel, als mir mein Lupine Akku mir mitteilte: „Hey ich bin gleich leer.“ Super, ich auch. Dann auf Sparflamme schalten und hoffen. Ohne Frontlicht wäre das ein ganz dunkler Abschnitt meiner Tour geworden. Aber Glück gehabt, der Strom reichte. Der gefühlt steilste Anstieg kam dann kurz vor Görlitz, er zwang mich fast zum schieben. Fast. Endlich am Ziel angekommen. Akku leer, Magen leer, Bett auch noch leer. Hoffentlich ändert sich das bald. Ob ich um 23.30 Uhr noch einchecken kann? Vorsichtshalber scanne ich auf der Suche nach meiner Unterkunft schonmal die Parkbänke. Aber Glück gehabt, im Veranstaltungssaal des Hauses war gerade eine Familienfeier zu Ende. Somit konnte ich noch rein. Puuuh, das war knapp. Ende.

Anmerkung: Zur Vorbereitung bin ich seit April jedes WE eine längere Tour gefahren (mind. 200-300km und vor 2 Wochen eine 500km Tour nach Berlin und zurück mit Equipment, quasi als Test; manchmal auch nachts, um tagsüber für die Familie da zu sein 😬 )

 

Equipment für die Tour:

Lupine Pico mit großem Akku für mich

kleine StVO Lampe für evtl. Polizeikontrollen

2 Rücklichter (falls eine ausfällt)

Apidura Front Roller (Lenkertasche) für 2 leichte Shirts, Hose, Socken, Unterwäsche

Apidura Frame Bag (Rahmentasche), eine Seite für Riegel und Weste, andere Seite für Ladekabel, Powerbank, Ipod, Brille, Minischloss etc.

Apidura Saddle Pack (Satteltasche) für meine Schuhe, Arm- und Beinlinge, Unterhemd, Regenjacke, Überschuhe, 2 Schläuche, Minihandtuch, Miniwaschtasche…

Velominati.de Anmerkung:

Erstmal fetten Respekt an Alex für diese Leistung und ein dickes Danke für die Schilderung.Wer jetzt Lust bekommen hat, wie Alex mal solch eine Leistung abzuliefern, der kann Alex bei seinen weiteren Aktivitäten gern folgen.

Sportliche Grüße aus Stralsund

Alex 🤘

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