Sean Conway – Weltrekord quer durch Europa

Er brach sich das Kreuz, schlief neben Ratten und behielt trotzdem unbeirrt seinen Kurs. Dafür wurde der Ausdauer-Biker Sean Conway mit einem Weltrekord belohnt.

Seinen roten Bart, der ihm bis auf die Brust reicht, ließ er sich wachsen, um Quallen abzuwehren. Und zwar als er durch den Ärmelkanal schwamm. Das ist kein Witz. Das ist eine Lösung à la Sean Conway. Der 37-Jährige aus Harare, Simbabwe, scheut erstaunliche Improvisationen ebenso wenig wie präzise Vorbereitungen.

Bevor er sich daranmachte, Europa per Rad zu durchqueren, beschäftigte er sich tagelang damit, die richtige Höhe der Sattelstütze festzulegen. Toleranzgrenze: ein halber Millimeter. Diese Detailverliebtheit mag auf einige dramatische Misserfolge zurückzuführen sein – wegen eines Muskelrisses musste er im Vorjahr einen ersten Rekordversuch nach vier Tagen aufgeben.

Davor war er mit einer Australien-Tour gescheitert und hatte in den USA einen Wirbelsäulenbruch erlitten, als ein Lastwagen ihn angefahren hatte.
Ein Pechvogel, möchte man meinen. Doch Sean Conway schaffte es trotz aller Rückschläge, seinen Kurs zu halten. „Unsere Misserfolge machen uns stärker. Du darfst dich nicht auf das Negative konzentrieren, das zerstört dein Leben“, sagt er und streicht über seinen üppigen Bart.

„Es ist nicht so, dass ich so optimistisch geboren wurde – es ist meine Art, Krisen zu bewältigen. Und das funktioniert – ich habe drei gescheiterte Rekordversuche hinter mir und habe sechs Jahre und 96.500 Kilometer gebraucht, um es endlich zu schaffen.“

Mit 24 Tagen, 18 Stunden und 39 Minuten stellte er einen neuen Weltrekord für die Durchquerung Europas auf – 6260 Kilometer radelte er dafür, von Cabo de Roca in Portugal bis nach Ufa in der russischen Teilrepublik Baschkortostan.

Eine Tortur ohnegleichen. 18 Stunden täglich saß er im Sattel, vergoss pro Stunde einen Liter Schweiß und schlief im Straßengraben – weil er auf ein Zelt verzichtete, um sich zusätzlich 380 Gramm zu sparen. Was wiederum bedeutete, dass er die Gesellschaft von Ratten schätzen lernte, Spinnen mit Schal und Ohrstöpseln abwehrte und morgens neben überfahrenen Wölfen aufwachte.

Jeder andere hätte vermutlich spätestens jetzt aufgegeben. Conway aber blieb motiviert, dank der Niederlagen der vergangenen Jahre, wie er unverblümt eingesteht: „Sie waren mein ganz persönlicher Kraftstoff“ – der ihn schließlich mit einem Vorsprung von neun Stunden den alten Weltrekord in Grund und Boden fahren ließ.

Obwohl er über 1600 Kilometer mit Gegenwind von bis zu 32 km/h kämpfen musste und ihm auf russischem Boden Autofahrer im Kamikaze-Stil das Leben schwer machten. „Ich bin deshalb sogar in den Gegenverkehr gefahren. Das war zwar stressig, so aber konnte ich diese Verrückten wenigstens sehen“ – eine von Conways Improvisationen, geboren aus dem Willen, es nach vielen gescheiterten Versuchen endlich zu schaffen.

„Letztlich geht es darum, zu erkennen, was du falsch gemacht hast. Und dann startest du einfach einen neuen Versuch“ – und zwar so lange, bis sich der Erfolg einstellt. Dafür braucht es Ausdauer und Abenteuerlust. Und es schadet auch nicht, sich den Bart bis hinunter auf die Brust wachsen zu lassen. Sean Conway ist überzeugt, dass seiner ihm Superkräfte verleiht. Ob er das augenzwinkernd meint? Keine Ahnung, wir glauben’s ihm einfach.

Niederlagen und wie man sie wegsteckt: Auf seanconway.com gibt’s Insider-Tipp vom Rekord-Mann.

 

Passende Produkte hier auf Amazon kaufen.
Keinen Cent extra zahlen, aber damit diesen Blog unterstützen. DANKE.

Kommentar verfassen

Velominati.de benutzt Cookies um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.
%d Bloggern gefällt das: