Nach 3 Jahren ohne Radsport – auf zur Tour Trans Alp 2017 Teil 1

Die Tour Transalp 2017

Die erste Etappe. Ein Klassiker. Allgäu und das Hahntenjoch. Seit mehr als 3 Jahren bin ich nicht mehr Rad gefahren und dennoch überzeugt mich mein Teampartner Chris nach 2012 doch nochmal gemeinsam über die Alpen zu fahren. Kennengelernt hatten wir uns durch Zufall bei einer Veranstaltung der Zeitschrift TOUR. Im Dezember 2016 fiel die Entscheidung. Wir wagen es.

Tour Trans Alp 2017
Danke für die Fotos an: Konrad Stöhr Fotografie

Chris redet immer von leichten Einstiegsetappen und Stellen an denen wir angreifen können. Ich denke immer nur. „Oh Gott ich soll über 100 Kilometer Rad fahren – in einem Rennen.“ Aber das darf Chris nie erfahren. Plan aufgestellt: Von 0 auf 100 in 6 Monaten. Also eigentlich in drei. Mehr Zeit habe ich beruflich nicht. Chris ist topfit und trainiert seit Jahren unter professioneller Anleitung von http://www.nom-training.com und dessen Inhaber Mathias Nothegger, der selbst schonmal ganz oben auf dem Podest der Transalp stand. Ich habe während der letzten drei Jahre mehr am Gewicht gearbeitet. Im Dezember 2016 zeigte die Waage mehr als 90 Kilo. Am 19. März nehme ich mir Urlaub. 3 Monate später, zum Start der Transalp haben wir ein Teamgewicht von unter 150 Kilo. bei einer Teamgröße von mehr als 3,60m. Die Tipps von Mathias und das Ernährungskonzept haben funktioniert. Ob ich mit Chris zumindest soweit mithalten kann dass er keinen Kaffee trinken gehen kann wird sich zeigen.

Tour Trans Alp 2017
Danke für die Fotos an: Konrad Stöhr Fotografie

Die Tour Transalp 2017

Sigma hat uns eingeladen und wir sind dem Ruf gefolgt. Gerne. Und wir wollten zurück zahlen.

Es ist Sonntag morgen. Es ist einer dieser Tage, an denen Helden geboren werden. Sonne Regen zum Start in Sonthofen. Das Ziel für heute ist klar. Die Schmach von vor drei Jahren wett machen. Am ersten Anstieg, dem Hanhntenjoch stand ich bereits mit Krämpfen in beiden Beinen.

Dann ist es soweit.

Der Start. 2000 Pedale klicken ein. Gänsehaut pur. Dieser Adrenalinschub. Wahnsinn. Es läuft. Wir fahren im ersten Startblock erstmal locker mit. Alter ist das schnell. Chris arbeitet vor mir. Ich soll bis Arco keinen Wind sehen. Frechheit. Irgendwie sind relativ wenige Fahrer um uns rum. Aber wir sind im Flow. Chris redet immer beruhigend auf mich ein. Nicht drüber nachdenken. Wir kommen ans Hahntenjoch. Chris faselt was von Wahnsinn. Wahnsinn. Wahnsinn. Kurzer Augenkontakt. Ich weiss was er will. Attacke. Kurzer Blick zurück. Logisch. Ich hatte ja bis hier keinen Wind und schnelle Gruppen. Jetzt an Chris dranbleiben. Dann der Moment an den ich mich immer erinnern werde. Er taucht im Regen vor mir auf. Ja er ist es wirklich. Da ist sie, die Startnummern 21A und 21B von Mathias Nothegger und Hans Peter Obwaller direkt vor uns – Ganz vorne. Am letzten Anstieg.

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Danke für die Fotos an: Konrad Stöhr Fotografie

Und wir fahren mit…. Und Jetzt ruhig bleiben. Warten bis zum Anstieg zum Gipfel über Pfafflar. Dieser Anstieg sollte gerade gut genug für den Angriff sein. Wir legen uns den Canarian Hulk ein paar hundert Meter lang zurecht. Er wirkt sichtlich nervös. Jetzt heisst es Nerven bewahren. Immer am Hinterrad bleiben und ab und zu zeigen, dass die Beine stark genug sind, um vorbeizugehen. Ein packendes Duell entbrennt. Chris attackiert mehrfach in den 8 prozentigen Flachpassagen nur um zu sehen, wie stark die beiden mental und physisch sind. 300 Meter vor dem Gipfel dann diese 11prozentige Rampe, ich nenne sie ab heute die 11% Chance. Das soll sie sein. Wie die Schlange vor dem Hasen warten wir genüsslich, bis die beiden sich vor einem Angriff sicher fühlen und stossen dann unerbittlich zu. Ein Antritt – unwiderstehlich ziehen wir los und an den beiden vorbei. Reporter bei der Tour de France hätten vor Begeisterung geweint. Ich sehe den Schmerz und die Angst in ihren Augen. Der Wille bei beiden ist gebrochen. Jetzt nur noch die Abfahrt. Auf dem Gipfel reisse ich voller Euphorie schonmal die Arme nach oben, dabei passiert es…

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Danke für die Fotos an: Konrad Stöhr Fotografie

Ich stosse mit beiden Armen an meinem Bettrahmen an und bin sofort wach. Schweissüberströmt liege ich mit Puls 160 in meinem Hotelbett und weiss nicht so recht, was los ist. Wo ist der Dino HPO. Wo Matthias? Wieso sitzt Chris an meinem Bett und redet beruhigend auf mich ein und faselt immer wieder was von Wahnsinn. Das kann doch nicht sein. Nur geträumt. Aber das war schon echt ne Erinnerung die mir keiner nimmt.

Tour Trans Alp 2017
Danke für die Fotos an: Konrad Stöhr Fotografie

In echt war die erste Etappe dann viel weniger spektakulär. Aber nass. Sehr nass. Dennoch Die Aufregung am Start. Das Adrenalin. Das Hanhtenjoch. Ich hätte an jeder Ecke anhalten können um Fotos zu machen oder noch besser um tief einzuatmen und jeden einzelnen Moment so ins Hirn zu brennen dass ich davon Jahre zehren kann. Aber was wirklich zählt: Wir haben vor und während dieser Etappe viele Menschen getroffen die uns schon jetzt emotional berühren, die jeden Tag zur Challenge machen. Die sich aufgemacht haben ein Erlebnis zu geniessen, dass für sie ein langjähriger Traum war und ist. Die am Berg gelitten haben und sich nach der ersten Etappe in den Armen lagen und das ankommen gefeiert haben als hätten sie gewonnen. Die Krankheiten überwunden haben. Die einfach so sind wie sie sind und das leben wovon sie träumen. Mütter, Väter, Söhne, Töchter, Freunde. Und allen geht es darum jeden Tag zu geniessen und sie alle sind sich bewusst: Eines Tages werden wir alt sein. Eines Tages werden wir alt sein. Julia Engelmann hat mal in einem sehr bewegenden Poetry Slam gesagt dass wir dann unseren Enkeln nicht erzählen wollen dass wir beinahe mal etwas gemacht hätten. Sondern es getan haben. Alle Menschen um uns herum können das jetzt. Denn done is better than perfect. Sich jeden Tag einen kleinen Schritt mehr über die eigene Komfortzone zu wagen, getreu dem Motto‚ challengeyourself.

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Danke für die Fotos an: Konrad Stöhr Fotografie

Für all das hat sich die Anreise zu diesem Event schon gelohnt. Danke Thomas und Konrad Stöhr, die Ihr aus Osnabrück hierher gefahren seid und immer für uns da seid.

Danke an unsere Familien die uns Platz für diesen Irrsinn schaffen und danke an unsere Unterstützer, Airstreeem, Schwalbe und Sigma für Material, Ausstattung und den Glauben an Träume.

Danke für diesen ersten Tag.

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